Renaturierungsprojekt Fischaufstiege

Stadt Wernigerode

Kategorie:
Arten- und Biotopschutz

Schlagworte:
Biotopvernetzung, ökologische Durchgängigkeit, Fischartenschutz

Projektlaufzeit:
Sep. 1996 bis Sep. 2012

Partner:
Wildfisch- und Gewässerschutz 1985 Wernigerode e.V.

Förderer:
Deutsche Bundesstiftung Umwelt, Arbeitsamt, Vattenfall Europe Umweltstiftung, Naturstiftung DAVID Thüringen, Europäischer Fischereifonds, Hasseröder Brauerei GmbH, NEMAK Wernigerode GmbH

Kontakt:
Stadt Wernigerode
Herr Ulrich Eichler
Energie- und Umweltbeauftragter

Die Harzer Fließgewässer sind ideale Lebensräume für Bachforellen (Salmo trutta) und die Westgroppen (Cottus gabio). Die Leitfischart Bachforelle ist dementsprechend auch Wappentier der Stadt Wernigerode.

Im Zuge der industriellen Entwicklung wurde das Leben in der Holtemme durch Abwassereinleitungen und Gewässerverbauungen nahezu ausgelöscht, sodass die Fische nur noch in den unbelasteten Bachoberläufen geeignete Lebensräume fanden. Heute haben umfangreiche abwassertechnische Maßnahmen dazu beigetragen, die Gewässergüte der Fließgewässer Holtemme und Zillierbach nachhaltig zu verbessern.

Nicht gegeben war jedoch die Passierbarkeit des Gewässers. Mit dem Renaturierungsprojekt wurde die Biotopvernetzung der beiden Fließgewässer Holtemme und Zillierbach sowie die Fischpassierbarkeit von insgesamt 23 Querbauwerken (17 in der Holtemme und sechs im Zillierbach) durch Rückbau oder durch Einbau von geeigneten Fischaufstiegen wieder gewährleistet.
Bereits im Jahr 1996, weit vor dem Inkrafttreten der europäischen Wasserrahmenrichtlinie, konnte der erste Fischaufstieg (Rauhgerinne-Beckenpass) in ein desolates Wehr der Holtemme eingebaut werden. Ein kompletter Rückbau des Wehres war nicht möglich, da der vom Wehr abgeschlagene alte Mühlgraben die Lebensader für den städtischen Seigerhüttenteich darstellt und zu erhalten war.

Durch breit angelegte Öffentlichkeitsarbeit identifizierten sich viele Bürger der Stadt mit dem Projekt. Dank der Unterstützung vieler engagierter Partner konnten von 1996 bis 2012 alle 23 Querbauwerke in der Holtemme und im Zillierbach fischpassierbar umgestaltet werden. Es wurden Fischpassagen wie natürliche Sohlgleiten, naturnahe Schlitz- und Rauhgerinne-Beckenpässe sowie technische Mäander-Fischaufstiege gebaut.

Funktionskontrollen haben nachgewiesen, dass die Fische durch deutliche Leit- und Lockströmung den Einstieg in die Fischaufstiege finden, diese durchschwimmen und somit Schritt für Schritt in ihre natürlichen Laichhabitate gelangen und sich auch wieder genetisch austauschen können.