10 Jahre Bündnis (2012 - 2022)

Anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Vereins „Kommunen für biologische Vielfalt“ im Jahr 2022 wurde die

bisherige Entwicklung dokumentiert:

2010/2011     Die Vorgeschichte

Ausgangspunkt des Bündnisses war das Dialogforum „Biologische Vielfalt in Kommunen“ im Jahr 2010. Dieses wurde von der Deutschen Umwelthilfe im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz durchgeführt. Zuständig dafür waren Robert Spreter als Projektleiter der Deutschen Umwelthilfe und Torsten Wilke als Fachgebietsleiter im Bundesamt für Naturschutz. Die beiden kamen überein, dass versucht werden soll mit dem Dialogforum eine Verstetigung der Zusammenarbeit unter den Kommunen zu etablieren.

Auf dem Dialogforum wurde die Deklaration „Biologische Vielfalt in Kommunen“ beschlossen und veröffentlicht. Darin bekannten sich die Kommunen zum Einsatz für die biologische Vielfalt und die Gründung eines Bündnisses der Kommunen. Die Deklaration wurde innerhalb eines Jahres von 200 Städten, Gemeinden und Landkreisen aus ganz Deutschland unterzeichnet. Frau Professor Beate Jessel, die damalige Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz, freute sich damals entsprechend: „Der Zuspruch so vieler Kommunen zur Deklaration ist enorm und übersteigt bei weitem die Erwartungen, mit denen wir im Februar 2010 mit rund 30 Kommunen und der Deutschen Umwelthilfe den Umsetzungsprozess der Nationalen Biodiversitätsstrategie auf lokaler Ebene initiiert haben.“

Auf Grund des großen Erfolgs der Deklaration beantragte die Deutsche Umwelthilfe beim Bundesamt für Naturschutz ein Förderprojekt, mit dem Ziel ein Bündnis zu gründen. Gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Kommunen und in Abstimmung mit den kommunalen Spitzenverbänden wurden die Grundlagen für den Verein geschaffen, die Satzung entworfen etc. Es sollte ein eigenständiger, von Kommunen getragener, Verein gegründet werden. Als Ziele und Aufgaben wurden Informationsaustausch, politische Lobbyarbeit, Öffentlichkeitsarbeit und gemeinsame Projekte zur Umsetzung gesehen. Die Deklaration sollte die inhaltliche Grundlage für die Arbeit bilden und diese von jedem Mitglied unterzeichnet werden. Ziel war es einen gut vorbereiteten großen Gründungskongress auszurichten, bei dem Kommunen Gründungsmitglied werden konnten. Auf den wegweisenden Workshops in 2010 und 2011 waren folgende Personen beteiligt: Robert Spreter, Tobias Herbst, Ulrich Stöcker (alle Deutsche Umwelthilfe e.V.), Alice Kube (Bundesamt für Naturschutz), Irene Köchling (Bundesumweltministerium), Arnt Becker (Stadt Bielefeld), Rüdiger Becker (Stadt Heidelberg), Dr. Antje Brink (Stadt Hannover), Rita Budde (Stadt Bonn), Wolfgang Budig (Stadt Augsburg), Harald Fritsche (Stadt Augsburg), Jochen Hildenbrand (Stadt Nürtingen), Klaus Hoppe (Stadt Frankfurt am Main), Jürgen Leicher (Gemeinde Ratekau), Christa Mehl-Rouschal (Stadt Frankfurt am Main), Hubert Müller, (Stadt Apolda), Michael Packschies (Stadt Eckernförde), Ulrich Schmersow (Stadt Hannover) und Torsten Wilke (Stadt Leipzig).

2012     Die Gründung

Die Gründung des Bündnisses erfolgte am 1. Februar 2012 in Frankfurt am Main. Unter den über 250 Teilnehmenden im Senckenberg Naturmuseum entschlossen sich 60 Städte und Gemeinden Gründungsmitglied zu werden. Es wurde ein zehnköpfiger Vorstand gewählt. Vorsitzender wurde der Heidelberger Oberbürgermeister Dr. Eckart Würzner. Seine Stellvertretung übernahm Oberbürgermeister Peter Gaffert aus der Stadt Wernigerode. Die Vorstandsmitglieder, die seit der Gründung dabei waren, sind hier einsehbar.

2013 – 2015     Jahre des Aufbaus

In den ersten drei Jahren übernahm die Deutsche Umwelthilfe die Funktion der Geschäftsstelle. Bis 2014 wurde dies noch durch das vom Bundesamt für Naturschutz geförderte Projekt ermöglicht, danach wurde dies in geringerem Umfang aus Mitgliedsbeiträgen finanziert. Die Homepage kommbio.de wurde aufgebaut, der Newsletter eingeführt, Handlungsanleitungen herausgegeben und die Vernetzung der Kommunen gefördert. In Hannover, Bielefeld und Neuss fanden die jährlichen Vereinstreffen statt. Wichtige Themen waren Biodiversitätsstrategien, Ökosystemleistungen und die Klimaanpassung. Bis Ende 2015 waren es über 100 Mitglieder geworden, die weitere Mitgliederentwicklung ist hier einsehbar. 2014 übernahm Oberbürgermeister Peter Gaffert aus Wernigerode die Leitung des Bündnisses.

2016 – 2017     Die erste eigene Geschäftsstelle

Zum 1. April 2016 wurde das Projekt „Stadtgrün - Artenreich und Vielfältig“ mit einer Laufzeit von fünf Jahren im Bundesprogramm Biologische Vielfalt bewilligt. Ziel des Projektes war die Einführung eines Labels für ökologisches Grünflächenmanagement, um den Standard in der Grünflächenpflege naturnah auszurichten. Mit fünf Pilotkommunen wurde das Verfahren entwickelt und schließlich in insgesamt 49 Kommunen umgesetzt. Begleitet wurde dies durch eine Kampagne, mit der innerhalb der Bürgerschaft für eine größere Akzeptanz geworben wurde. Nach Ende der Projektlaufzeit sollte das Label als Service-Leistung des Bündnisses weiter angeboten werden - was es seit 2021 wird. Projektpartner waren die Deutsche Umwelthilfe und die Städte Frankfurt am Main, Hannover, Kirchhain, Neu-Anspach und Wernigerode.

Durch das neue Projekt war es möglich eigenes Personal einzustellen und einen Raum als Projektbüro anzumieten, die Projektleitung übernahm Tobias Herbst. Die Mitarbeitenden der Geschäftsstelle seit der Gründung sind hier einsehbar.

Auf der Jahresversammlung 2016 in Hannover wurde der TEEB-Stadtbericht „Ökosystemleistungen in der Stadt“ vorgestellt. Die damalige Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks hielt das Grußwort vor über 120 Teilnehmenden. 2017 ging es mit dem Bündnistreffen nach Leipzig. Die Veranstaltung wurde zum Thema „Natur in der Stadt“ in Kooperation mit dem Bundesverband Beruflicher Naturschutz e.V. (BBN), dem Bundesamt für Naturschutz (BfN), der Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz (GALK) und der Stadt Leipzig durchgeführt.

Die Mitgliederzahlen wuchsen weiter stetig, aber langsam an. Ende 2017 zählte das Bündnis 126 Mitglieder.

2018     Ein hauptamtlicher Geschäftsführer

2018 wurde es möglich Robert Spreter aus Eigenmitteln als hauptamtlichen Geschäftsführer einzustellen. Somit konnten die Unterstützung und Beratung der Mitglieder verstärkt und das Bündnis weiterentwickelt werden.

Die Mitgliederversammlung im März 2018 konnte mit der Verleihung des neu entwickelten Labels „StadtGrün naturnah“ an fünf Pilotkommunen auf einem Fachkongress mit 160 Teilnehmenden in Frankfurt am Main kombiniert werden. Als neuer Vorsitzender wurde Bürgermeister Jörg Sibbel aus der Stadt Eckernförde gewählt.

Die Mitgliederzahlen gingen in diesem Jahr steil nach oben. Es wurden 36 neue Mitglieder gezählt - mehr als drei Mal so viele wie in den Vorjahren. So konnten Ende 2018 insgesamt 162 Mitglieder vermerkt werden. Begünstigt wurde dies vermutlich durch die zunehmenden Aktivitäten des Bündnisses, verbunden mit der Veröffentlichung der Krefelder Studie zum Insektensterben, durch die das Thema biologische Vielfalt in der Öffentlichkeit stärker wahrgenommen wurde.

Zum Oktober 2018 wurde das Vorhaben „Kommunale Handlungsspielräume zur Förderung der biologischen Vielfalt in der Landwirtschaft“ im Rahmen der Verbändeförderung des Bundesumweltministeriums vom Bundesamt für Naturschutz bewilligt. Durch das Projekt konnte das Bündnis in den folgenden beiden Jahren die eigene Arbeit thematisch erweitern und den Kommunen auch im Bereich „Landwirtschaft“ Workshops und eine Broschüre anbieten.

2019     1.000.000 € für die Kommunen

Das enorme Interesse der Öffentlichkeit am Thema „Insektensterben“ führte dazu, dass auch die Bundesregierung im Bereich biologische Vielfalt verstärkt aktiv wurde. Im Masterplan Stadtnatur, der 2019 vom Bundeskabinett beschloss wurde, sind zahlreiche Maßnahmen aufgeführt, die den Zielen des Bündnisses entsprechen. Im Zuge dessen wurde ein entsprechendes Förderprojekt beim Bundesumweltministerium beantragt. Ziel war es Maßnahmen für die biologische Vielfalt insbesondere in Kommunen und Regionen zu ermöglichen, in denen bisher nur wenige Aktivitäten zu verzeichnen waren. Dafür wurden vom Fördergeber 1.000.000 € für einen Wettbewerb bereitgestellt.  Das Projekt „Naturstadt – Kommunen schaffen Vielfalt“ zur Durchführung des Wettbewerbs und zur Begleitung der 40 Projektumsetzungen wurde ab Oktober 2019 mit einer Laufzeit von fast fünf Jahren bewilligt, es wurden vier Personen neu eingestellt.

Bei den Mitgliederzahlen gab es einen neuen Rekordzuwachs. 46 Städte, Gemeinden und Landkreise, darunter die Metropole Hamburg, sind in diesem Jahr dem Bündnis beigetreten.

Auf einem Fachkongress in Bonn wurde, in Anwesenheit der damaligen Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz Professor Beate Jessel, 15 Kommunen das Label Stadtgrün naturnah verliehen. Die Jahresversammlung des Vereins wurde mit 67 Teilnehmenden als eigenständige Bündnisveranstaltung in Neustadt an der Weinstraße durchgeführt.

2020     Mitgliederrekordzuwachs

In 2020 wurde der Wettbewerb „Naturstadt - Kommunen schaffen Vielfalt“ durchgeführt. Es beteiligten sich 310 Kommunen mit 332 Projektidee. Eine Jury wählte 40 Projektideen aus und jede dieser Kommunen erhielt 25.000 € für die Umsetzung der Projekte zugesprochen. Die Auszeichnung fand auf Grund von Corona online statt. Die Laudationes, ein Grußwort der Bundesumweltministerin Svenja Schulze und ein kurzer Erklärfilm wurden aufgenommen und damit die ersten Videos in den neuen YouTube-Kanal des Bündnisses aufgenommen.

Die Auszeichnung der nächsten 15 Labelkommunen „StadtGrün naturnah“ und die Jahresversammlung mit über 140 Teilnehmenden wurden online durchgeführt.

Im Laufe des Jahres sind 63 neue Mitglieder, darunter die Bundeshauptstadt Berlin, dazugekommen, das ist bis heute Rekord. Die Gesamtzahl stieg auf 271 Städte, Gemeinden und Landkreise. Neuer Vorsitzender wurde Oberbürgermeister Gerold Rechle aus der Stadt Laupheim.

 

2021     Das Bündnis im Online-Format

Im Jahr 2021 wurde weiteren 15 Kommunen auf einer Veranstaltung in Düsseldorf das Label „StadtGrün naturnah“ verliehen. Damit endete zwar das geförderte Projekt, aber das Label wird trotzdem weitergeführt! Das Bündnis richtete einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb ein und bietet seitdem das Label eigenständig an. Weitere Informationen zum Label finden Sie hier. Dies bedeutet für den Verein ein weiteres Standbein in seiner Arbeit, sowohl finanziell als auch inhaltlich.

Im Rahmen des Naturstadt-Projekts wurde ein Online-Fachkongress mit über 500 Teilnehmenden durchgeführt. Dieser Kongress zeigte das Potential, das die Online-Formate für einen bundesweit tätigen Verein bieten. Es werden ebenfalls Kommunen erreicht, die auch vor der Pandemie auf Grund ihrer Lage, Größe oder geringen Personalkapazität nicht an einer derartigen Fachveranstaltung teilgenommen hätten. In 2021 wurden die ersten Online-Workshops für Mitglieder durchgeführt. Diese wurden sehr gut angenommen und werden seitdem laufend angeboten.

Ende 2021 wurde das Projekt N.A.T.U.R. bewilligt. Dadurch konnten weitere Mitarbeitende eingestellt werden und so arbeiten seit Anfang 2022 zehn Personen in der Bündnisgeschäftsstelle. Mit diesem Projekt wird der Verein in die Lage versetzt in den folgenden sechs Jahren bundesweit Kommunen in noch viel größerem Umfang zu informieren, zu beraten und fortzubilden.

Der steile Aufwärtstrend bei den Beitritten setzte sich fort. Bis Ende des Jahres kamen 50 neue Kommunen dazu und das Bündnis hatte 321 Mitglieder.

Das Jahr 2021 endete mit einem sehr traurigen Ereignis. Der Vorsitzende des Bündnisses, Oberbürgermeister Gerold Rechle, verstarb am 28. Dezember 2021 in Folge schwerer Krankheit.

 

 

2022     Neue Ziele

Anfang 2022 wurde Waltraud Blarr aus Neustadt an der Weinstraße vom Vorstand als neue Vorsitzende gewählt. Gemeinsam mit der neuen Bundesregierung soll die Unterstützung für Kommunen auch in den Schnittstellen von biologischer Vielfalt und Klimaschutz weiter gestärkt werden. Dabei ist es dem Verein wichtig, dass die biologische Vielfalt in gleichrangiger Bedeutung zum Klimaschutz behandelt wird.

Zehn Jahre und eine Vision

Nach zehn Jahren Bestehen verfügt das Bündnis im Frühjahr 2022 über 327 Mitglieder und eine Geschäftsstelle mit zehn Mitarbeitenden. Die angebotenen Veranstaltungen sind sehr nachgefragt. Auf Fachveranstaltungen ist der Verein laufend vertreten. Die Nachfragen nach Vorträgen können auf Grund der Vielzahl nicht immer erfüllt werden. Insbesondere durch das laufende Projekt N.AT.U.R. gibt es gute Aussichten, dass die Angebote des Vereins zukünftig noch weiter verbessert werden können.

Dabei wurde der Verein nie als Selbstzweck verstanden. Der Erfolg der Organisation wurde immer daran gemessen, in welchem Maß die biologische Vielfalt in Kommunen erhalten oder gefördert wird. Dies kann als Erfolgsrezept des Vereins gesehen werden. Die Vereinsarbeit ist immer im Dienst der Ziele gestanden, die schon bei der Gründung formuliert wurden:

„Unsere Vision sind grüne Gemeinden, Städte und Landkreise als hochwertiger Lebensraum für Menschen, Tiere und Pflanzen.“

Dabei ging es nie um kurzfristige Erfolge. Die Ausgangsidee der Initiatoren war es, von Projekten mit kurzen Laufzeiten, deren Wirkung oft schnell verfliegt, wegzukommen und stattdessen eine stabile Organisation aufzubauen, um die Arbeit der Kommunen für die biologische Vielfalt kontinuierlich über die Jahre zu verbessern. In diesem Sinne soll die Arbeit des Vereins auch in den kommenden Jahren weiter verbessert werden.