Riedstadt

Ein Naturschutz-Großprojekt

Stromtalwiesen sind besonders artenreiche Lebensräume, die sich in Mitteleuropa auf wechselfeuchten Standorten in den Auen der großen Ströme Rhein, Donau oder Elbe entwickelt haben. Durch Umbruch in Ackerflächen, intensivierte Landnutzung sowie Deichbau- und Entwässerungsmaßnahmen ist dieser Wiesentyp europaweit stark zurückgegangen und gehört in ganz Mitteleuropa zu den am stärksten gefährdeten Pflanzengesellschaften überhaupt.
Zu ihrem Schutz führt die Stadt seit dem Jahr 2000 in Zusammenarbeit mit der Professur für Landschaftsökologie und Landschaftsplanung der Justus-Liebig-Universität Gießen und weiteren Projektpartnern umfassende Renaturierungsmaßnahmen durch. Der Erfolg der Maßnahmen sowie eine intensive wissenschaftliche Begleitung machen das Projekt zu einem internationalen Vorbild bei der Renaturierung von Auwiesen.
 
Mit Mahdgutübertragung zum Erfolg
Seit 2000 konnten 70 Hektar seltener Stromtalwiesen mit insgesamt 212 Pflanzenarten, darunter 37 der Roten Liste, neu geschaffen werden. Hierzu wurden die vormals artenarmen Äcker und intensiv genutzte Wiesen per "Mahdgutübertragung" wieder in artenreiches Stromtalwiesengrünland überführt. Dabei wurde Mahdgut aus benachbarten, noch vorhandenen Stromtalwiesenbeständen gewonnen und auf die zu renaturierenden Flächen aufgebracht. So gelangen die im Mahdgut vorhandenen Samen auf die Flächen und schaffen den Ausgangspunkt für die Wiederbesiedlung der Auenwiesen.
 
 
Naturschutz in Zusammenarbeit mit Landwirten
Damit die wiedergewonnene Artenvielfalt auch dauerhaft gesichert wird, setzt die Stadt auf eine mit den Naturschutzzielen verträgliche und gleichzeitig ökonomisch tragfähige landwirtschaftliche Nutzung der Projektflächen. Die ortsansässigen Landwirte sowie die Landwirtschaftsverwaltung wurden deshalb von Beginn an in das Projekt einbezogen. So sind die Flächen an Landwirte zur Gewinnung von Heu bzw. - in kleineren Teilbereichen - zur Schafbeweidung verpachtet.
 
Wichtiger Beitrag zur Grünlandforschung
Das Projekt wurde von Beginn an auch wissenschaftlich begleitet. Unter anderem wurde untersucht, unter welchen Bedingungen die Ansiedlung von Zielarten am besten gelingt. Die gewonnenen Erfahrungen stehen der Fachwelt heute in zahlreichen englisch- und deutschsprachigen Publikationen zur Verfügung. So informiert zum Beispiel das Buch „Verwendung von Mahdgut zur Renaturierung von Auengrünland“ (Ulmer-Verlag) über die entscheidenden Erfolgsfaktoren zur Wiederherstellung von artenreichem Auengrünland.
 
Wanderweg zu den Stromtal-Auenwiesen
Die Renaturierungsmaßnahmen werden darüber hinaus von einem Lehrpfad begleitet. Gemeinsam mit dem Geopark Bergstraße-Odenwald hat die Stadt Riedstadt einen Wanderweg zu den Stromtal-Auenwiesen in ihren Stadtteilen Leeheim und Erfelden konzipiert. Dieser Weg wurde im Juni 2008 eingeweiht und steht seitdem der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung. Auf neun Kilometern Weglänge können die Besucher anhand von 10 Erläuterungstafeln die Besonderheiten dieses Wiesentyps sowie die Maßnahmen zu seinem Schutz kennen lernen.
 
 
Bildquellen
Alle Bilder Stadt Riedstadt
 
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Stadt Riedstadt

Hessen
Kreis Groß-Gerau
23.827 Einwohner
74 km²
 
 
Kurzinfos zum Projekt
 
Stichworte:
Renaturierung, Auenwiesen
 
Projektlaufzeit:
seit November 2000
 
Partner:
Stadt Riedstadt, Justus-Liebig-Universität Gießen, Land Hessen, Landwirte vor Ort
 
Förderer:
Bundesamt für Naturschutz (BfN) (2000-2005), Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) (2007/2008), Fraport AG (2005, 2009, 2014 in Form einer Spende), Land Hessen, Stadt Riedstadt
 
Kontakt:
Stadt Riedstadt
Fachbereich Stadtentwicklung und Umweltplanung
Fachgruppe Umwelt
Herrn Matthias Harnisch